COMPANY WAYNE Mc GREGOR

 Theater Bonn Dummy
Donnerstag 31 Jan 2019 19:30
Opernhaus Bonn
Am Boeselagerhof 1
53111 Bonn

Veranstaltungsinfos

Autobiografien sind normalerweise stringent narrativ, die Choreografie AUTOBIOGRAPHY des Briten Wayne McGregor weist von der Gegenwart als eine multiple Variable in die Zukunft. Fu¨r seine Kreation begab sich der Hauschoreograf des Londoner Royal Ballet in seine bisweilen vielleicht mutigste und intimste Zusammenarbeit: Weltweit fu¨hrende Genetiker haben sein vollständiges Erbgut analysiert und durch die Entschlüsselung seines Genoms eine gänzlich neue Dimension seiner Biografie freigelegt. So entstand eine Bibliothek seines Lebens, die ebenso viele Bände beinhaltet wie eine menschliche Zelle an Chromosomenpaaren aufweist. Für McGregor ist das Genom das Narrativ menschlichen Lebens: Durch die DNA ist in jeder Körperzelle das Erbe der Vorfahren archiviert – ebenso wie ein Entwurf der Zukunft, die sich durch den Zusammenfluss physischer, umgebungsbedingter und kultureller Umstände entwickelt.

Die Choreografie AUTOBIOGRAPHY referiert auf das Zufallsmoment innerhalb der Entwicklung eines Individuums, indem sie einen Algorithmus nutzt: Basierend auf Wayne McGregors genetischem Code bestimmt dieser Algorithmus vor jeder Aufführung, an welcher Stelle welcher Teil der 23 „Bände" Szenen aus seiner „Lebensbibliothek" zur Aufführung kommen. Wie die DNA, die kodiert durch ihre vier Proteinbasen A-T-C-G in jedweder beliebigen Kombination unvorstellbare Komplexität aus schlichter Einfachheit entstehen lässt, erfindet sich AUTOBIOGRAPHY endlos neu. Je nach neu entstehender Kombination der Szenen variieren die dargestellten Bedeutungen und Empfindungen und überlagern sich in Überschreibungen. Es scheint ganz so, als würden verschiedene Leben sichtbar. Jeder Moment der Entscheidung eröffnet eine andere mögliche Zukunft und wird zur Folie für unser aller Leben. Wayne McGregor überschreibt die autobiografische Ausgangsidee mit einer Art Ontologie der Menschheit.

AUTOBIOGRAPHY wurde im Oktober 2017 im Londoner Tanzhaus Sadler’s Wells uraufgeführt.  Das Werk ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk aus Bewegung, Licht, Musik und Raum. Es sprengt nicht nur die Grenzen der Selbstbeschreibung, sondern markiert in McGregors Schaffen eine neue Etappe. Der bis dato fürs Tempomachen belobigte Choreograf entdeckt die Vorzüge der Langsamkeit. AUTOBIOGRAPHY ist mit schierer Schönheit und sinnlichem Zauber ein überwältigendes Tanzmosaik, wie man es nur schaffen kann, wenn man auf der Höhe seines Ruhms ist und nichts mehr fürchtet.

Dynamisch, kraftvoll und hautnah sowie stets im Spannungsfeld zwischen Tanz, Film, Musik, Technologie und Wissenschaft so präsentieren sich die Arbeiten des britischen Starchoreografen Wayne McGregor. Er ist bekannt für seine bahnbrechenden Choreografien, in denen er die Bewegungsformen des Körpers in Zeit und Raum untersucht. McGregor lässt sich von aktuellen Forschungen aus den Bereichen der Technologie, Genetik und Neurowissenschaften nicht nur inspirieren, sondern ist aktiv an ihnen beteiligt. Dies folgt nicht zuletzt seinem Grundverständnis vom Tanz sowohl als physischen wie auch als mentalen Akt, als einer Art physischen Denkens. Zwischen Wissenschaften und Künsten entwickelt er vielschichtige Choreografien für seine eigene Compagnie wie auch für namhafte Tanzensembles weltweit sowie für Musicals und Filmproduktionen. Seit 2006 ist er Resident Choreographer des Londoner Royal Ballet – als erster zeitgenössischer Choreograf in dieser Position überhaupt. Er ist Professor für Choreografie am Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance in London und Träger des Ehrendoktortitels „Doctor of Science" der Plymouth Universit und „Doctor of Letters“ der Universität Leeds.

Die COMPANY WAYNE McGREGOR ist das natürliche Instrument zur Umsetzung der choreografischen Ideen ihres Gründers: Seit 1992 untersucht das Ensemble – zunächst unter dem Namen Wayne McGregor | Random Dance – die vielfältigen Bewegungsformen des menschlichen Körpers in all seinen Artikulationsmöglichkeiten. So bildete sich ein unverwechselbarer Stil aus physisch anspruchsvollen Choreografien, einer atemberaubenden Tanzsprache und kraftvollen Bildern. In Kooperation mit Wissenschaftlern, Komponisten und bildenden Künstlern entstanden inzwischen über 30 Choreografien. Als innovativster Vertreter des zeitgenössischen Tanzes in Großbritannien wurde das Ensemble 2001 zur Resident Company am Londoner Sadler's Wells Theatre. Random Dance zeigte im Juni 2011 im Bonner Opernhaus die Deutschland-Premiere von McGregors Choreografie F.A.R.

Heute bildet die Company das Herzstück des 2017 eröffneten Studios Wayne McGregor in London. Das Studio ist Forschungs- und Entwicklungsstation zugleich: In ihm arbeiten Tänzer, Autoren, Komponisten, Software-Programmierer und Wissenschaftler Seite an Seite, die sich mit dem menschlichen Körper, seinen Bewegungsabläufen, der Biomechanik, der Genetik sowie neurobiologischen Aspekten bis hin zu künstlicher Intelligenz befassen. Daraus entstehen außergewöhnliche Verbindungen zwischen Tanz, bildender Kunst, Film, Musik, Technologie und Wissenschaft.